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Der Friedhof Staufen

Teil 3: Grabkultur und Grabsymbole

Jede Kultur und jede Zeit hat ihren eigenen Umgang mit dem Tod und den Toten.  Während es in einigen Regionen der Welt üblich ist, die Toten zu verbrennen und ihre Asche zu verstreuen, hat sich in anderen Kulturkreisen der Brauch entwickelt, die Toten mehr oder weniger aufwendig zu bestatten.

In alten Kulturen, z.B. bei den Kelten, wurden die Vornehmen der Gesellschaft mit reichen Grabbeigaben versehen, um ihnen im Jenseits ein standesgemäßes Leben zu ermöglichen mit Schmuck und Waffen, aber auch Dingen des täglichen Lebens wie Nahrung und Kleidung.

Mit der Ausbreitung des Christentums und dessen Vorstellungen von Tod, Auferstehung und Ewigem Leben begannen sich die Bestattungsbräuche allmählich zu ändern. Nun waren der richtige Glaube, eine entsprechende Lebensführung und besonders die Gnade Gottes wichtig. Da man dem christlichen Glauben zufolge seinen irdischen Besitz nicht ins Jenseits mitnehmen konnte, mussten die Verstorbenen auch nicht mehr für das Leben nach dem Tode ausgestattet werden. Aufwendige Bestattungen sollten dann eher die gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen und damit auch seiner Familie darstellen.

In den Grabmälern spiegelt  sich der jeweilige Zeitgeschmack wider. Sie erinnern nicht nur an die Verstorbenen, für die sie einst errichtet wurden, sondern sind wichtige kulturgeschichtliche Zeugnisse. Sie zeigen ästhetische, religiöse, philosophische und soziale Einstellungen der jeweiligen Zeit. Daher sollten Grabmäler als historische Denkmäler erhalten werden [zum Teil nach: Helmut Nordmeyer: Grab- und Denkmäler in Frankfurt am Main].

In der heutigen Zeit ist die Grabkultur  einem zunehmenden Wandel unterworfen. War zunächst die Erdbestattung üblich, erfolgen nun vermehrt Urnenbestattungen. Als besondere Form nimmt auch die anonyme Bestattung zu, da viele Menschen keine Angehörigen mehr haben, die sich um die Grabpflege kümmern können. In Staufen gibt es zwei würdig gestaltete Felder für die anonyme Bestattung. Auf dem neuen Feld ist nun auch die kleine Engelsfigur der Jasmin aufgestellt.
                 

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Altes (links) und neues (rechts) anonymes Gräberfeld

  

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Stein von einem Kindergrab ("Jasmin"), jetzt auf dem anonymen Gräberfeld


Manche Menschen möchten in der Natur unter einem Baum im sog. Friedwald beerdigt werden. In Frankreich ist die Ausstreuung der Asche aus der Luft gestattet. Es gibt auch eine Bestattung im Weltraum, bei der eine Kapsel mit Asche ins All geschossen wird. In der Schweiz besteht die Möglichkeit, die Asche des Verstorbenen zu einem Diamanten pressen zu lassen.

In Bremen besteht ab 2015 die Möglichkeit, unter bestimmten Vorraussetzungen Totenasche auch auf Privatgrundstücken oder besonders ausgewiesenen öffentlichen Flächen zu verstreuen, ebenso in Nordrhein-Westfalen. Eine neue Entwicklung ist es, den Grabstein mit einem Code zu versehen, der mit einem internetfähigen Handy zur Webseite des Verstorbenen führt. Neueste Formen sind Promession durch Behandlung mit Gefriertechnik und Resomation durch alkalische Hydrolyse mit heißem Wasser. Diese Verfahren sind schonend für die Umwelt.

In Staufen gibt es als neuere Entwicklung einen Bereich für gärtnergepflegte Gräber sowohl für Erd-,  wie für Urnenbestattungen, ebenso einen Bereich unter einem Baum. Ein Feld besteht für Betattungen, wo nur der Name des Verstorbenen auf einer Säule genannt wird.

Gärtnergepflegtes Gräberfeld 

 

Für Jüdische und Muslimische Bestattungen sind in Staufen keine Felder vorgesehen. 

 

Grabsymbole

Auf dem Staufener Friedhof finden sich viele Symbole der Grabkultur. Oft sind es christliche Zeichen der Hoffnung: Kreuze, Kruzifixe, Christusbilder, Mariengestalten und Engel.

   
Christuskopf     Engel           Maria

Herz, Kreuz und Anker symbolisieren Liebe, Hoffnung und Glaube. Es gibt Kreuze aus Stein und aus Metall. Diese sind zum Teil sehr kunstvoll gestaltet. Außerdem findet sich auf sehr vielen Steinen das Symbol des  Kreuzes. Zum Anker gibt es eine  Besonderheit. Er weist nicht nur hin auf den Glauben und Halt, den der Mensch in Gott findet, sondern hier auch auf  einen Partikulier, das ist der Eigner eines Flussschiffes, der sein Schiff z.B. auf dem Rhein führt.

   
Anker                  Anker der Partikuliere

A + Ω, also A und O, bedeuten Anfang und Ende. Ähre und Weintraube haben nicht nur christliche Bedeutung, sondern können  auch auf einen Landwirt oder Winzer deuten.

Ähre und Weintraube  

Das erloschene Leben wird symbolisiert durch eine gesenkte oder zerbrochene Fackel,  heruntergebrannte Kerze, gebeugten Baum, geknickte Pflanze, abgebrochene Säule und Stundenglas. Der Todesgenius ist ein engelsähnlicher Jüngling in antikem Gewand, der den Menschen ins Totenreich geleitet. 

 

   

Geknickte Blumen und
heruntergebrannte Kerze

     Geknickte Fackel 

Weiter finden wir Totenkopf, Urne und Schmetterling. Die Urne wird auch zerbrochen dargestellt, um zu zeigen, dass der Tod seine Macht verloren hat. Der Schmetterling hat eine bestimmte Bedeutung. Das altgriechische Wort „Psyche“ bedeutet sowohl “Seele” als auch “Schmetterling”. So ist dieser ein Symbol der Verwandlung und damit ein Hinweis auf die Auferstehung. 

   

Zerbrochene Urne
mit Schmetterlingen 

Schmetterling 

 

Das Gottesauge ist das Zeichen der behütenden, väterlich wachenden  Allgegenwart im Dreieck der Dreifaltigkeit. Ein Buch kann zeigen, dass der Verstorbene mit Büchern zu tun hatte, als Dichter, Schriftsteller oder Verleger, oder aber es weist hin auf das Buch des Lebens. Manche Zeichen haben Bezug auf Beruf oder Liebhaberei des Verstorbenen: Lastwagen, Notenschlüssel, Kachelofen, Schiff, Palette, Klavier, Aesculapstab, verschiedene Tiere.
     

         
Gottesauge Kachelofen Aesculapstab 

 

Vielfach finden sich Blumen auf den Grabsteinen, häufig Rosen aus Messing. Es gibt aber auch Edelweiß, Mohn und Glockenblume. Ebenso finden wir Zweige und Bäume. Sie sind oft abgeknickt als Zeichen, dass das Leben vergangen ist.

 

                  

 

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