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Der Friedhof Staufen

Teil 8: Die Gräber des "Struve-Putsches" der Revolution 1848

In der Mitte des 19. Jhd. gab es in Deutschland wie in anderen Ländern bürgerlich-demokratische Bestrebungen nach nationaler Einheit. Daraus entstanden revolutionäre Unruhen. Ein Teil der Revolutionäre glaubte, diese Ziele mit Waffengewalt durchsetzen zu können.

Im September 1848 brechen in Deutschland wieder Unruhen aus. Gustav Struve, derzeit in der Schweiz, glaubt, dass nun der rechte Augenblick gekommen sei, zieht mit 30 emigrierten Republikanern nach Lörrach und ruft dort am 21.9. die „Deutsche Republik“ aus. (Zweite Badische Revolution). Er fordert "Wohlstand, Bildung und Freiheit für Alle". Um ihn scharen sich Freiwillige und republikanisch gesinnte Emigranten. Er will in Richtung Freiburg ziehen.

Am 24. September, einem Sonntag, zieht er in Staufen ein und ruft alle waffenfähigen Männer von 18 bis 40 zum Mitzug auf. Auf dem Rathaus wird Quartier für alle ca. 4000 Mann bestellt, davon ist nur knapp die Hälfte bewaffnet. Die öffentliche Kasse wird requiriert. Als die Kunde von Struves Putsch bekannt wird, setzt die Großherzoglich Badische Regierung sofort Truppen unter dem Kommando des Generals von Hoffmann in Bewegung in Richtung Krozingen und dann im Bogen von Wettelbrunn her gegen die von Struves Mannen verbarrikadierte und zum Teil auch demolierte Neumagenbrücke. Um 14 Uhr findet das Gefecht statt. Man findet noch eine Kugel in einem Haus Im Grün und in einem Buchrücken im Rathaussaal. Laut Albert Schladerer soll sein Vetter, der Tuchhändler Albert  Gysler, Hilfsratschreiber, von letzterer mit  einem Lungenschuss durchbohrt worden sein. Er versteckte sich auf dem Dach und lag dort bewusstlos. Er sei nach den Kämpfen  gefunden worden, weil sein Blut vom Dach des Rathauses auf die Straße getropft sei. Durch die Ruhe erholte er sich  wieder.

Nach zwei Stunden Kampf flüchten die Freischärler in die Wälder und Weinberge. Struve selbst gelangt, begleitet von seiner Frau sowie einigen seiner engsten Mitstreiter und ausgestattet mit bäuerlichen Kleidern ins Wirtshaus „Zum Neuhof“ im oberen Münstertal, dann über das Wiedener Eck und das Wiesental nach Wehr. Dort wird er verhaftet und zu Zuchthaus verurteilt. Sein gerechter Richter war ein Litschgi aus Endingen. [teilweise nach Erdmann]

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Führung\Bad. Revolution Staufen\1848 H. Mayer.jpg

Das Gefecht in Staufen am 24.Sept.1848;
Kupferstich von Heinrich Mayer

Es gibt einen Kupferstich von Heinrich Mayer dem Sauren über das Geschehen. Wir sehen links den Neumagen mit Blick auf die Stadt. Rechts liegt der Friedhof mit der Kapelle St. Sebastian. Die Kugeln fliegen durch die Luft, man sieht Rauchwolken.

Bei den Kämpfen in Staufen gab es viele Todesopfer. Ein Soldat der Regierungstruppen fiel. Neben Aufständischen starben auch unschuldige Staufener und andere Bürger.

 

Gaß Franz Anton 1848 (an der Nordmauer)

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Badische Revolution 1848\Gasz, Rosa geb. Montfort 1839.jpg   

HIER RUHEN
ROSA MONTFORT
GEB. D. 21.JULI 1785
VEREH: MIT F. ANTON GASZ
DEN 28.SEPT. 1807
GEST. D. 12.FEBR.1839
UND IHRE KINDER
JOS. IGNATZ GASZ
GEB. D. 5.AUG. 1808 GEST. D. 16.OCT. 1834
F. ANTON GASZ
GEB. D. 19.Feb. 1810 GEST. D. 5.MAERZ 1810
M. ROS. KAROL. GASZ
GEB. D. 21.AUG. 1811 GEST. D. 1.SEPT.1811
F. ANTON GASZ
GEB. D. 10.MAERZ 1817   GEST. D. 20.JULI 1817

AUCH DER GERECHTE TRENNUNGSSCHMERZ
AN UNSERER LIEBEN BAHRE
WEIST CHRISTENSEELEN HIMMELWÄRTS
NACH KURZEM LAUF DER JAHRE
RUFT GOTT UNS NACH
EIN GROSSER TAG
WIRD DANN UNS WIEDER EINEN
WIR WERDEN NICHT MEHR WEINEN

Auf dem Sockel:

F. ANTON GASZ
GEB. D. 17.JAENER 1787   GEST. D. 24.SEPT. 1848

Der hohe Grabstein, gekrönt von einer Urne, erinnert an mehrere Mitglieder der Familie Gaß. Die erste Ehefrau Rosa war eine Tochter des savoyischen Bleichers Ignatz Montfort [s. beim Kapitel Savoyarden]. Die Kinder sind teilweise früh verstorben. Ein Wappen unten am Stein zeigt ein springendes Pferd, darüber einen Pferdekopf.

Bei dem Gefecht am 24. Sept. 1848 in Staufen war den Truppen gesagt worden, am Eingang von Staufen hielte sich im ersten Haus ein Sympathisant auf. Das wäre aus Richtung Krozingen im „Rinderlehof“ gewesen. Es erfolgte aber der Einmarsch aus Richtung Grunern. Dort kam aus dem ersten Haus der unschuldige Franz Anton Gaß, ein Bleicher, und wurde mit zwei Schüssen getötet.

In den Standesbüchern erfahren wir Näheres zu den Daten auf dem Stein. Der Sohn Franz Anton Gaß verstarb im Alter von 14 Tagen an den Frieseln, das ist Fieber mit juckendem Hautausschlag. Die Tochter Maria Rosa Carolina verstarb im Alter von wenigen Tagen an den Gichtern. Dabei handelt es sich um Krämpfe, vor allem bei Magen-, Darmstörungen und Fehlernährung, z.B. durch unverdünnte Kuhmilch. Der Sohn Franz Anton starb mit neunzehn Wochen. Er hatte den gleichen Vornamen erhalten wie sein verstorbener Bruder. Der Sohn Joseph Ignatz verstarb ledig. Der Sohn Hermann war verheiratet mit der Tochter Henrika des Löwenwirts Josef Glück [s. dort]. Die Tochter aus der zweiten Ehe des Franz Anton Gaß war die „Industrielehrerin“ Elise Gass, lt. Grabstein Handarbeitslehrerin.               

 

Glück Josef 1848

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Badische Revolution 1848\Opfer der Rev. Löwenwirt Glück 1848.jpg     Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Badische Revolution 1848\Glük, Josef.jpg   Josef Glück

Ein Opfer
der
Revolutionskämpfe
in Staufen
24. Sept. 1848

Im Inneren:

Josef Glük [!]
Löwenwirt
1790 - 1848

Ein reich mit Ranken verziertes Metallkreuz trägt ein Medaillon, das sich öffnen lässt. Im Inneren ist beim Namen aus Platzmangel das „C“ weggelassen.

Bei den Kämpfen in der Stadt am 24. Sept. 1848 suchten sich die Bürger zu schützen. Dennoch gab es einige Opfer. Der Löwenwirt Josef Glück wurde in seiner Gaststätte von einer verirrten Kugel getötet.

Von einer menschlichen Tragödie ist zu erzählen, die man im Standesbuch lesen kann. Der Sohn Hermann des Bleichers Franz Anton Gaß war verheiratet mit der Tochter des Löwenwirts Glück. Im Kirchenbuch nennt der Pfarrer einmal den Vornamen Henrika, dann Henriette. Die beiden bekamen einen Sohn, Constantin Hermann. Durch die tragischen Ereignisse hat dieser also am gleichen Tag beide Großväter verloren. Später findet sich in den Kirchenbüchern auch noch der Vermerk, dass 1855 Henriette Gaß in Staufen lebt, ihr Mann Hermann Gaß aber in Amerika. So war auch der Vater des kleinen Constantin Hermann nicht mehr da.

 

Die Weiler Musikanten 1848

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Badische Revolution 1848\Weiler Musikanten s.jpg   

J. Ludin
F. Welterlin
W. Röschard
M. Hütter
J. Scherer

25. Sept. 1848

 

Oberhalb der Grabinschrift brachte man 1998 eine Metallplakette an: Aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums - Zum Gedenken an unsere 5 Musikkameraden Stadtmusik Weil am Rhein.

Auf einem Steinsockel mit einem schwarzen Metallkreuz stehen auf einer weißen Marmortafel die Namen der erschossenen Weiler Musikanten. Am Fuße des Kreuzes findet sich eine Gedenktafel von der Weiler Stadtmusik zum 150. Todestag. Auf dem Friedhof in Weil gibt es eine Stele „Zum ehrenden Gedächtnis“, errichtet vom Musikverein Weil.

In der Tschamber-Chronik wird berichtet: Beim Durchzug der Revolutionäre unter Gustav Struve durch Weil a. Rh. wurden 6 [lt. Kaufmann-Chronik 7] Musikanten, die auf einer Hochzeit spielten, gezwungen, als Marschmusikanten mitzuziehen. Sie hielten sich während des Gefechts versteckt. Am nächsten Tag, als die Regierungstruppen abziehen wollten, fiel am Marktplatz ein Schuss. Die Häuser wurden durchsucht, die Musikanten gefunden. Einer wurde gerettet durch einen Bäcker aus dem Nachbarhaus, der ihm eine Bäckerschürze überwarf. Der erwähnte 7. Musikant soll sich unter die zu einem Brand ausrückende Feuerwehr gemischt haben und so entkommen sein.  Die anderen 5 wurden sofort erschossen.


Diez Andreas 1848

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Badische Revolution 1848\Diez Andreas1848.jpg    Hier ruht
Andreas Dietz
Kirchendiener
Begraben 24.9.1848

 

Ein verziertes Grabkreuz aus Metall mit einem goldfarbenen Christus enthält auf einer Metalltafel den Hinweis auf das Datum der Beerdigung, nicht wie normalerweise auf den Todestag. Laut den Standesbüchern war der Todestag der 22. September.

Der 24. September 1848 bezieht sich auf einen wichtigen Tag. Bei Hermann Ays heißt es: „Beim Einzug der Truppen sollte der Kirchendiener Andreas Dietz gerade bestattet werden. Alle eilten  vom offenen Grab davon“. Bei der späteren Beisetzung soll auch der einzige gefallene Soldat in das Grab gelegt worden sein. Dies kann aber nicht stimmen: lt. Eintrag in den Standesbüchern wurde der Soldat Stephan Schnurr erst am 25. Sept. 1848 bestattet.

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