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Der Friedhof Staufen

Teil 9: Gräber von Dichtern und Literaten

Ays Hermann 1934

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Literatur\Ays H. 1943.jpg    Beschreibung: Ays, Hermann 1934   

Hermann Ays
Schriftleiter u. Heimatdichter
1886 – 1934

Frieda Ays
geb. Lüthy
1878 – 1936

 

 

Die Schrift des Steins befindet sich auf einer Schieferplatte auf dem Sockel. Darüber steht ein hohes Kreuz aus rötlichem Stein.

Ays wurde am 31.7.1886 in Neu-Kunersdorf in der Neumark (polnisch Kosobudki) geboren und verstarb am 8.10.1934 in Staufen. Der schriftstellerisch Hochbegabte leitete nach Stationen in Stuttgart und im Elsaß seit Beginn der 1920er Jahre das "Säckinger Volksblatt", bis er 1924 die Redaktion des „Staufener Wochenblatt“ übernahm. Darin wurden seine Aufsätze über die Staufener Geschichte veröffentlicht. Er verfasste auch Theaterstücke: „Doktor Faustens Tod- sein abenteuerliches Sterben im Leuen zu Stoufen anno domini 1539“ dargestellt in 3 Bildern, 1930, und „Sixt von Staufen: ein Zunftspiel“. Hierin tritt Sixt als Zeuge auf für eine unschuldig Verurteilte und kauft sie von ihrem Herrn für 200 Silbergulden frei. Außerdem gab er heraus: „Das Hexenhaus“ – Ein Weihnachtsmärchen in 3 Bildern,  1925, und vor allem den „Staufener Bilderbogen“, 1933, mit vielen Ereignissen der Staufener Geschichte.

Beim ersten Faustspiel mit Hugo Frank auf dem Marktplatz haben viele Staufener Bürger mitgespielt. In den 80er Jahren fanden die Spiele vor dem Stadtschloss statt, dabei auch Eckart Ulmann. Seit 2005 gibt es Aufführungen im Rahmen der „Stages-Staufener Stadtgeschichte“.

 

Bassermann Dieter 1955

 Beschreibung: Bassermann in 2013   Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Führung\Literatur\Bassermann Dieter\Baumann Johanna 1983.jpg     DIETER BASSERMANN
*28.IX.1887      +9.V.1955

DR. PHIL.
WILLM BASSERMANN
*23.X.1884 ZU HEIDELBERG
GEFALLEN 21.SEP 1917
IN ROULERS


Platte:

JOHANNA BAUMANN
GEB. BASSERMANN
*13.8.1890      +20.8.1983

Der nach oben schmaler zulaufende Stein ist geschmückt mit einem Ehrenkranz und einer grossen Urne. Davor liegt eine Platte.

Bassermann war Lehrer, Übersetzer und Schriftsteller. Besonders befasste er sich mit Rainer Maria Rilke und schrieb das Werk „Der späte Rilke“. Nach Kriegsende hielt er im Rathaussaal literarische Lesungen, z.B. „Faust I“, was dem Bedürfnis der Menschen nach der schweren Zeit sehr entgegenkam.

 

Hecht Ingeborg 2011

Beschreibung: Hecht 2011    

HANNS STUDNICZKA
1891 – 1975

INGEBORG HECHT
STUDNICZKA
1921 – 2011

BARBARA HEINRICH
GEB. HECHT-STUDNICZKA
1941 – 1977

EDITH HECHT V. SILLICH
1900 – 1979

DR. FELIX HECHT
1883 – 1945

Neben der großen Grabplatte für die Familienangehörigen der Ingeborg Hecht mit Ehemann, Tochter und Mutter wird mit einem kleinen Stein ihres Vaters gedacht.

Ingeborg Hecht hatte einen jüdischen Vater und galt daher als „Mischling ersten Grades“. So erlebte sie selbst die Judenverfolgung, die sie von höherer Schulbildung und Studium ausschloss. Die Eltern ließen sich 1933 scheiden. Ihr Vater wurde in KZs interniert und 1944 in Auschwitz umgebracht. Sie zog 1943 von Hamburg nach Baden und lebte mit ihrer Mutter in Staufen. Ihr Mann Hanns Studniczka, mit dem sie seit 1948 verheiratet war, ermunterte sie zum Schreiben. So berichtete sie über ihre Erfahrungen in der NS-Zeit. Diese Berichte einer Zeitzeugin fanden grosse Beachtung, vor allem auch in Schulen. Sie schrieb auch ein Buch über Staufen und andere Werke. Später lebte sie in Freiburg. Sie erhielt viele Ehrungen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz 2005 „für ihre Verdienste als eine aufrechte und unbeirrte Demokratin“.

Einige Werke:
Als unsichtbare Mauern wuchsen. Eine deutsche Familie unter den Nürnberger Rassegesetzen
Staufen- ein Stetlin im Brisgow
Der Siechen Wandel: Die Aussätzigen im Mittelalter und heute

 

Studniczka Hanns 1975

Der Ehemann von Ingeborg Hecht war der deutsche Schriftsteller, Übersetzer und Jurist Hanns Studniczka. Er übersetzte u.a. Werke von Voltaire (1694-1778), dem französischen Schriftsteller und Philosophen des 18. Jahrhunderts. 

 

Holthaus Hellmuth 1966

Beschreibung: Holthaus 1966    HELLMUTH HOLTHAUS
MCMIX – MCMLXVI

URSULA HOLTHAUS
MCMXV – MCMLXXVIII

 

Auf der Steinplatte an der äußeren Wand der Südmauer stehen in römischen Lettern die Daten von Holthaus, 1909–1966, und seiner Frau, 1915–1978.

Holthaus war Schriftsteller. Er schrieb Feuilletons, amüsante Begebnisse aus dem Alltag, mit einem Augenzwinkern berichtet. Einige seiner humorvollen, aber hintergründigen Beobachtungen fanden auch Eingang in die Schulbücher. Er hat einen entzückenden Artikel über Staufen geschrieben: „Mal mir eine Märchenstadt“. Am Neumagen entlang führt der Hellmuth-Holthaus-Weg.

Werke unter anderem:

Lohnt es sich? 1955
Geschichte aus der Zachurei (I/II) 1959/61
Wie man durchs Leben kommt 1962
Es ist modern, modern zu sein 1966
Trautes Heim-Glück allein
Die schönsten Geschichten

 

Huchel Peter 1981

Beschreibung: Huchel, Familie    PETER HUCHEL
1903 – 1981

STEPHAN HUCHEL
1949 – 1990

MONICA
HUCHEL
1914 – 2002

 

 

Auf einem efeuumrankten Natursteinbrocken stehen die Namen von Huchel und seinem Sohn, daneben auf einem kleineren Stein der Name seiner zweiten Frau.

Der Dichter Peter Huchel wurde geboren in Lichterfelde, heute Berlin. Er studierte in Berlin, Freiburg und Wien. Er lebte in der DDR und war Herausgeber von SINN UND FORM, der renommierten deutschen Literaturzeitschrift. Nach dem Bau der Mauer wurde er politisch bedrängt und unter Hausarrest gestellt. Aufgrund der Hilfe von Freunden und nach internationalen Protesten bekam er die Ausreisegenehmigung. Ab 1972 lebte er in Staufen. Er hat sich in Staufen nicht sehr wohlgefühlt, denn er vermisste die Weite seiner brandenburgischen Heimat. Er war dort bei seinem Großvater aufgewachsen. Er wird geschildert als Mensch von großer Freundlichkeit, Bescheidenheit und menschlicher Wärme. Er war sehr naturliebend und hat sich oft mit Förster Nunnenmacher unterhalten [s. Radio-Sendung von 1990]. Ihm zu Ehren ist ein Weg entlang des Neumagens benannt.

Sein lyrisches Werk war wegweisend für die Dichtung des 20. Jhd. Alljährlich erfolgt in Staufen die Verleihung des Peter-Huchel-Preises für deutschsprachige Lyrik. Er wurde gestiftet vom Land Baden-Württemberg und vom Südwestfunk.

Im April 2013 wurde im Foyer des Stubenhauses eine literarische Dauerausstellung für Peter Huchel und Erhart Kästner eingerichtet. Der Leiter der Arbeitsstelle für Literarische Museen im Deutschen Literaturarchiv in Marburg, Dr. Thomas Schmidt, war maßgeblich daran beteiligt. Mit einer Gruppe Studierender der Universität Freiburg erarbeitete er das inhaltliche Konzept.

Die oberen beiden Säle im Stubenhaus sind nach den Dichtern benannt. Hier soll in Zukunft das Kulturreferat mit Unterstützung des Deutschen Literaturarchivs Veranstaltungen organisieren mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen.

Huchels letztes Werk, das in Staufen entstand:
Die neunte Stunde.

 

Kästner Erhart 1974

Beschreibung: Kästner Erhart 1974 in 2013    ERHART

&

ANITA

KÄSTNER

 

Auf dem Grab liegt eine Platte mit seinem Namen und dem seiner Frau. Hinten steht ein hoher Stein, auf dem eine ionische Säule abgebildet ist. Sie wurde gestaltet von Prof. Kurt Lehmann, der mit Kästner befreundet war. Sie zeigt seine enge Verbundenheit zu Griechenland. Lehmann hatte bei einem Stipendium 1931 in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom diesen Entwurf in rotem Sandstein gefertigt.

Erhart Kästner  wurde 1904 in Schweinfurt geboren. Er studierte in Freiburg und Leipzig. 1927 war er Bibliothekar in Dresden, 1936 – 1938 dann Sekretär von Gerhart Hauptmann. Im Krieg kam er nach Griechenland und hat dann mehrere Bücher darüber geschrieben, weil er das Land und seine Antike so liebte. Ab 1950 war er Direktor der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. Er verhalf hier einer der bedeutendsten Sammlungen der Renaissance, der Reformation und der Aufklärung zu neuer Größe als Forschungsbibliothek.

Er erhielt mehrere Preise für seine Arbeit als Schriftsteller. 1968 kam er nach Staufen, die Weinberge erinnerten ihn an Griechenland. Die Badische Zeitung schrieb 1974: „Als er 1974 hier starb, läuteten ihm zu Ehren die Glocken aller Klöster auf dem heiligen Berg Athos, und die Mönchsrepublik schickte einen Vertreter, der einen Ölbaum auf Kästners Grab in Staufen pflanzte“. Laut Auskunft seiner Frau handelte es sich aber um einen Kirschlorbeer, der noch auf dem Grab zu sehen ist. Anita Kästner war eine renommierte Papierrestauratorin. Sie starb 2011.

Der Künstler Jürgen Brodwolf war mit der Familie befreundet und von dem Werk Kästners beeindruckt. Zum Kästner-Jahr 2004 hat er eine Reihe von Objekten gestaltet, die in der Galerie Fluchtstab gezeigt wurden.

Einige Titel von Kästner:

Griechenland. Ein Buch aus dem Kriege 1942  Neufassung: Ölberge, Weinberge 1953

Die Urfassung, die er im Auftrag der Wehrmacht verfasste, enthielt Passagen, die heute teilweise als nationalsozialistisches Gedankengut angesehen werden. Dies war zu erklären durch seine mystisch verklärte Vorstellung vom Land der Antike und der Sagen. Nach dem Krieg konnte man keine deutliche Distanzierung dieser Einstellung erkennen. Aber er ersetzte das alte Klischee durch ein differenzierteres Griechenland-Bild, in dem er mit großer Sympathie auf Land und Leute einging. 

Kreta 1946
Zeltbuch vom Tumilat 1949 [im Nildelta]
Die Stundentrommel vom Heiligen Berg Athos 1956
Die Lerchenschule. Aufzeichnungen von der Insel Delos 1964
Aufstand der Dinge 1971

Kästners Werke sind erlebnishafte, persönliche Reise- und Erinnerungsbücher, geprägt vom Erlebnis der klassischen Antike und der heutigen Mittelmeerlandschaft. Seine Sprache ist schlicht und unpathetisch, eine verhaltene, kontemplative Prosa, prägnant und formbewusst. [nach Erdmann/ Gero von Wilpert, Deutsches Dichterlexikon, Stuttgart 1963]. Jemand nannte seine Prosabücher „gesammelte Stille“.

Ihm zu Ehren wurde 2004 der Jägerhäusleweg umbenannt in Erhart-Kästner-Weg. Im April 2013 wurde in Staufen im Stubenhaus eine neue literarische Ausstellung für Peter Huchel und Erhart Kästner eröffnet, die in den gemeinsamen Staufener Jahren eng befreundet waren. Es soll verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen geben, die sich mit den beiden Künstlern, auch den Widersprüchen, auseinandersetzen.



Nunnenmacher
Paul 2011

Beschreibung: Nunnenmacher Paul 2011    Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Kreuze\Kreuze Stein\Stöckle 1911.jpg   

Paul
Nunnenmacher
*28.6.1929
+25.09.2011

 

 

Früherer Text des Grabsteins:

Seraphin Stöckle
Ratschreiber
1842 – 1922

Karolina Stöckle
geb. Singrün
1862 – 1945

Josephina Stöckle
1888 – 1911

Anna Stöckle
1884 – 1969

Berta Stöckle
geb. Mager
1894 – 1991

Karl Stöckle
Konditormeister
1891 – 1985

Der historische Grabstein wurde restauriert. Auf einem hohen Sockel mit zwei Seitenplatten steht ein Steinkreuz, gekrönt von einem Kranz mit Blumen und Schleife. Der Grabstein gehörte früher der Familie Stöckle. Seraphin Stöckle, verstorben 1922, war Ratschreiber. Seine Nachfahren führten das heutige Café Decker am Neumagen. Dort hatte im 19. Jhd. der Konditor Berthold Nunnenmacher seinen Sitz.

Paul Nunnenmacher war Schulleiter, in der Verwaltung als Schulrat, später als Regierungsschuldirektor. Seine Vorfahren stammen auch ab von der savoyischen Händlerfamilie Martin. Er wurde bekannt als alemannischer Heimatdichter. Er schrieb viele Mundart-Hörspiele, -Theater-stücke und -Bücher. Es gab regelmäßige Mundartsendungen im Südwestfunk. Mehrfach erhielt  er Auszeichnungen u.a. bei Wettbewerben des Freiburger Regierungspräsidiums und des Bundes Heimat und Volksleben.

Einige Werke:

"Us de Schuel gschwätzt." 1981
"Kumm, gang mr eweg." 1985
"Gälle si." 1988
"Über kurz oder lang" 1993

 

von Ditfurth Hoimar 1989

Beschreibung: von Ditfurth s   

WIR SIND NICHT NUR VON DIESER WELT

Prof. Dr.
HOIMAR V. DITFURTH
15.10.1921 – 1.11.1989

HEILWIG V. DITFURTH
18.7.1926 

 

Das Grabmal aus weißem Marmor stellt ein offenes Buch dar. Der Spruch auf der linken Seite ist der Titel von einem seiner Bücher.

Von Ditfurth wurde in Berlin geboren. Er studierte Medizin und war Professor für Psychiatrie und Neurologie in Würzburg und Heidelberg. Dann beschäftigte er sich intensiv als Buchautor und  Journalist mit naturwissenschaftlichen Themen, die er auch bis 1985 im Fernsehen vorstellte in seiner ZDF-Sendereihe „Querschnitte“. So weckte er bei vielen Menschen das Interesse an den Naturwissenschaften. Er selber sagte: „Ich habe nach meiner Zeit an der Universität zwanzig Jahre lang naturwissenschaftliche Fernsehsendungen gemacht, deren ...Motiv der Versuch gewesen ist, diese die Seele der Menschen verarmende Barriere aus Gleichgültigkeit und Unkenntnis zu überwinden“. [aus: Innenansichten eines Artgenossen  1989].

Er kam 1976 nach Staufen. Hier entstanden drei seiner Bücher:

Wir sind nicht nur von dieser Welt 1981
So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen 1985
Innenansichten eines Artgenossen 1989

Wittig Friedrich 2001

Beschreibung: C:\Users\Guckes\Documents\Friedhof Fotos 1\Literatur\Wittig 2001.jpg   

ICH HABE DICH
EH UND JE
GELIEBT

DARUM HABE
ICH DICH
ZU MIR
GEZOGEN
AUS LAUTER
GUETE

FRIEDRICH WITTIG
1906 – 2001

ELISABETH WITTIG
1921[?] – 2011[?]

[Schrift ergänzt - kaum noch lesbar]

Friedrich Wittig besaß einen Verlag in Hamburg, wo er Bücher mit theologischem Inhalt, christlicher Kunst und Dichtung veröffentlichte. Er gründete den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ab 1962 war er Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. 1966 führte er ein bewegendes Gespräch mit John F. Kennedy bei seinem Deutschlandbesuch. Neben anderen Ehrungen erhielt er 1977 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

In Staufen engagierte er sich auf Grund seiner christlichen Einstellung in der evangelischen Kirchengemeinde. Seinem Einfluß war es zu verdanken, dass die Anna-Brücke an der heutigen Stelle über den Neumagen gebaut wurde. Dafür musste das evangelische Pfarrhaus weichen, andererseits konnte das evangelische Gemeindehaus, das Martin-Luther-Haus, gebaut werden.

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