Offensive gegen Missbrauch

Staufen startet umfassendes Präventionsprogramm in Kooperation mit Fachstelle Wendepunkt

Logo von Wendepunkt mit schwarzer und grüner Schrift

Gleich zweimal wurde Staufen in den letzten drei Jahren zum Schauplatz von Missbrauchs­fällen mit großer öffentlicher Beachtung. Strukturell waren die Fälle höchst unterschiedlich: Ein im Darknet agierendes Täterpaar mit einem einzelnen Opfer - und ein in Staufen sozial bestens integrierter, beliebter Mann, der sich das Vertrauen der ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen und deren Eltern zu Nutze machte. So wie es auch ein Fußballtrainer tat, der sich im Juli vor dem Landgericht Freiburg wegen sexuellen Missbrauchs verantworten muss­te. „Solche Fälle sind leider sehr typisch" sagt Anja Menner, Fachliche Leitung des Vereins Wendepunkt, der sich im Breisgau um Betroffene von sexuellem Missbrauch kümmert. „Die­se Art Täter nutzt ihre Popularität bei den Kindern und Jugendlichen aus, um Schritt für Schritt Grenzübertretungen in den Kontakt mit ihnen einzuflechten. Es kommt nicht von ei­nem Moment auf den anderen zu einem massiven Übergriff. Sondern die Betroffenen wer­den allmählich an den Missbrauch gewöhnt. Das ist das Perfide." Passieren kann das über­all, wo Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stattfindet. Wenn es dann noch unklare Struktu­ren gibt, Grenzverletzungen und Missbrauch nicht thematisiert werden und kein Kinderschutzkonzept in der Institution existiert, haben Täter mitunter leichtes Spiel. „Eins ist sicher: Mit Staufen als Stadt hat das überhaupt nichts zu tun. Solche Fälle kommen überall vor. Das Gute in Staufen ist, dass es ans Licht gekommen ist und beendet wurde." so Menner. Dennoch ist es den Verantwortlichen bei der Stadt Staufen wichtig, nun gegen sexuellen Missbrauch in die Offensive zu gehen. „Wir wollen allen Vereinen, Schulen, Kindertagesstät­ten und Kirchen in unserer Stadt die Möglichkeit geben, ihre Mitarbeitenden zum Thema Missbrauch und Grenzverletzungen zu schulen" sagt Bürgermeister Michael Benitz. In den Schulungen, die von Wendepunkt durchgeführt werden, wird es um eine Einführung in die Thematik gehen, um Erläuterungen zum Schutzkonzept, Erstellung eines Ablaufplanes sowie um den Umgang mit Nähe und Distanz. Finanziert werden die Schulungen von der Stadt Staufen und einer regionalen Stiftung, sodass für die Teilnehmenden keine Kosten entstehen. Die Abfrage bei Vorstandschaften, Schulleitungen und Trägern stieß auf großes Interesse, sodass manche Schulungstermine doppelt angeboten werden. „Es war uns wich­tig, alle Anmeldungen zu berücksichtigen. Wir freuen uns über die positive Resonanz seitens der Staufener Institutionen und das große Verantwortungsbewusstsein, das sich darin wider­spiegelt.", so Isabella Schuhmann, Hauptamtsleiterin der Stadt Staufen. Die Schulungen beginnen im September und werden bis in den Januar 2021 andauern.

Kontakte

Stadt Staufen
Isabella Schuhmann
Hauptstr. 53, 79219 Staufen im Breisgau, Tel.: 07633 – 805 25
hauptamt@staufen.de

Wendepunkt e.V.
Anja Menner, Fachliche Leitung
Kronenstraße 14, 79100 Freiburg, Tel.: 0761 - 7071 191
info@wendepunkt-freiburg.de, www.wendepunkt-freiburg.de