Literarischer Salon Staufen

im historischen Stubenhaus

03. Dezember 2021: Tränenkrüglein - Märchen als Warnung vor übermäßigem Trauern

"Tränenkrüglein" (englisch: tear-catcher), von denen eine Reihe von Märchen erzählen, kommen in den wundersamsten mündlichen Überlieferungen aus aller Welt vor. Die Mehrzahl dieser Geschichten warnt vor übermäßigem Trauern der Mütter, wenn ein Kind stirbt. In Sagen und Balladen, aber auch in den Volksmärchen finden sich noch versteckte Hinweise auf eine alte Sitte, die gleichzeitig zeigt, welch hohen Wert man den Tränen und dem Tränenvergießen in vielen Kulturen der Welt beimaß.

Passend zur besinnlichen Adventszeit stellt Sabine Wienker-Piepho erzählend und referierend dieses Phänomen dar, das tief in die Kultur des Trauerns hinein führt.

Prof. Dr. Sabine Wienker-Piepho ist auf historisch-vergleichende internationale Erzählforschung im Fach Kulturanthropologie spezialisiert. Zu ihren Themenschwerpunkten gehören Märchen, Sagen, Balladen, Schwank, Witz und Sprichworte. Sie hatte Gastprofessuren und Lehraufträge in vielen Ländern (Estland, Finnland, Israel, USA, Weißrussland) und in Deutschland inne, zuletzt an den Universitäten München, Bamberg und Jena. Sie ist Vorsitzende der Kommission für Erzählforschung.

Freitag, 03. Dezember 2021, 19:30 Uhr, Stubenhaus Staufen. Eintritt: 15 €, ermäßigt 10 €. Karten an der Abendkasse und auf Reservierung unter 07433 805-36 (Tourist-Information Staufen), 07633 805-30 (Dr. Diedrichs) oder E-Mail (dr.diedrichs@staufen.de). Die reservierten Karten werden an der Abendkasse ausgegeben.

Für diese Veranstaltung gilt die 2Gplus-Regel; das bedeutet: zugelassen sind nur Geimpfte oder Genesene, die zugleich einen aktuellen, negativen Test vorweisen können (kein PCR-Test notwendig; ein Schnelltest reicht aus).

05. Februar 2022: 5. Erzählkunstabend in Staufen: „Unglaublich – und doch wahr?“

Unglaublich und doch wahr?

Esther Zimmermann aus Winterthur, Angelika Papke aus Endingen und Karla Krauß aus Laufen - drei gestandene Frauen erzählen Geschichten. Sind sie wahr oder nicht? Unglaublich sind sie allemal:
Da wäre zum Beispiel der Wind. Hat er eine Sprache und falls ja, kann man sie verstehen? Und wenn man sie verstehen kann, kann man sich dann mit ihm auch in die Lüfte erheben?
Was ein hellgrauer Mantel mit Pilzen zu tun hat und welche Auswirkungen Kindheitsträume im Alter nach sich ziehen können, das erfahren Sie ebenso, wie Sie Zeugen des Versuchs einer Mutter werden, ihren Schwiegersohn auszusuchen. Das kann ja nur schiefgehen, oder etwa nicht? Hören Sie Wellen gegen den Bug eines Schiffs schlagen, sehen Sie Gestalten auftauchen, von denen Sie bisher gar nicht gewusst haben, dass es sie gibt. Erleben Sie Mythen und Märchen nicht nur aus den Highlands. Geschichten werden vermischt mit Autobiographischem, so dass Sie sich an diesem Erzählkunstabend fragen werden, was ist nun erfunden und was nicht! Lebendig, leidenschaftlich und erstaunlich erzählt - unglaublich allemal!

Geschichtenerzählerin zu sein ist der schönste Beruf der Welt, findet Esther Zimmermann, auch wenn viele Menschen kaum glauben können, dass es diesen Beruf überhaupt gibt. Wahr ist, für sie ist es mehr als ein Beruf, es war Liebe auf den ersten Blick! Amors Pfeil traf sie, als sie 2017 nach Wales reiste. Dort begegnete Sie dem Storytelling das erste Mal und für sie war sofort klar: das mache ich auch! Das Handwerk des Erzählens hat sie daraufhin in München erlernt und ist seitdem in Deutschland und ihrer Wahlheimat, der Schweiz, als professionelle Erzählerin unterwegs. Jeder weiß, eine erste Liebe vergisst man nicht, und so treibt es sie auch immer wieder auf die Britische Insel um ihre Erzählkunst, zu verfeinern.

Angelika Papke kommt aus Endingen am Kaiserstuhl. Sie fand ihren Zugang zum Geschichtenerzählen über die Musik. Ein Musikstück hat oft eine emotionale Botschaft, egal ob es durch eine Stimme oder ein Instrument vorgetragen wird. Genauso ist es mit den Geschichten. Papkes Anspruch besteht darin, ihre Zuhörer*innen durch ausdrucksstarke Worte und Gestik mitzunehmen und in ihre Erzählungen eintauchen zu lassen, um schließlich zusammen mit ihr, erst wenn sie am Ende ihrer Erzählung angekommen ist, wieder aufzutauchen.

Karla Krauß ist Erzählerin aus dem Markgräflerland. Ihre Leidenschaft liegt darin, die Erzähltradition weiterzugeben, von Mund zu Ohr und Ohr zu Mund. Heiter bis schwungvoll, dynamisch bis spannend. Ihr Motto ist einfach: „Kindern erzählt man gern Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.

Samstag, 5. Februar 2022, 19:30 Uhr, Stubenhaus Staufen. Eintritt: 15 €, ermäßigt 10 €. Karten an der Abendkasse und auf Reservierung unter 07433 805-36 (Tourist-Information Staufen), 07633 805-30 (Dr. Diedrichs) oder E-Mail (dr.diedrichs@staufen.de). Die reservierten Karten werden an der Abendkasse ausgegeben.

Für diese Veranstaltung gelten die aktuellen Corona-Vorschriften.

13. März 2022: Paul Celan zu Ehren: Eine Meditation - "... ein Gehen über die Grenzen, die sie uns ziehen"

Paul Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz in der Bukowin geboren und ist im April 1970 in Paris freiwillig aus dem Leben geschieden. Wir möchten  den Phasen seines Lebens folgen und unter dem „Neigungs-winkel“ seiner Existenz Beispiele seines Schaffens zu Gehör bringen, u.a.: Kindergedichte, eine Satire auf den Literaturbetrieb, Abzählreime, Tänzerisches, Auszüge aus den Briefwechseln mit Ingeborg Bachmann und  seiner Frau Gisèle de Lestrange sowie Briefe an seinen Sohn Eric, verbunden mit Darstellungen seiner Person im Blick auf sich selbst wie in der Wirkung auf andere. Ergänzt werden diese Texte um Ausschnitte aus seiner Rede anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Hansestadt Bremen und seiner Parabel über den „Glaswürfel".
Die Gedichte, die wir ausgewählt haben, sollen beim Zuhören Bilder entstehen lassen: „Das Horchende, das fein gespannte Segel“, wie es Celan in einer seiner Übertragungen der Werke des russischen Dichters Ossip Mandelstam formuliert hat. Da Celans Gedichten das Dialogische eingewebt ist, sprechen sie den Leser wie den Hörenden direkt an: „Sprich auch du, sag deinen Spruch.“Celans Werk ist geprägt vom Erlebnis der Shoah: dem Schuldgefühl der Überlebenden, dem Ringen mit der Entscheidung, am Deutschen festzuhalten, der „Sprache Mörder“,  und dem Einfluss seiner Mutter auf sein Denken, sein Verhältnis zu Natur (Pflanzliches, Steiniges), Sprache,  Eros, Thanatos und Religion.Die Musik soll Hörbilder verbinden, Zeit geben innezuhalten.Lesung: Michael Hanemann, Musik: Mike Flemming, Bratsche 

Michael Hanemann ist einem breiten Publikum bekannt durch Film und Fernsehen (Krimis, Literaturverfilmungen, Dokus). Zuletzt war er in der Fernsehserie "Mord mit Aussicht", im Tatort "Roter Schatten" und in Kinofilmen wie "Fabian oder der Gang vor die Hunde", "Grüner wirds nicht", "Erbsen auf halb sechs", "Familye" und "Effroyables jardins" zu sehen. Er arbeitet als Sprecher im Radio und tritt als Rezitator in öffentlichen Lesungen auf.

Mike Flemming studierte in Berlin die Fächer Viola und Tonsatz/Komposition. Er unterrichtet seit 1992 an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" und am Musikgymnasium "C. Ph. E. Bach" in Berlin. Als Bratscher spiel er insobesondere Neue Musik und Freie Improvisation, darunter zahlreiche Uraufführungen für Viola solo. Regelmäßig tritt er bei den Festivals "Klangwerkstatt Kreuzberg", "Randspiele Zepernick" und "Intersonanzen Potsdam" auf. "Spyr", eine Verfilmung eines Viola-Solos mit Mike Flemming, erhielt zahlreiche Preise und wurde international (USA, Hongkong, Cannes) auf Festivals präsentiert.

Sonntag, 13. März 2022, 16:30 Uhr, Stubenhaus Staufen. Eintritt: 15 €, ermäßigt 10 €. Karten an der Abendkasse und auf Reservierung unter 07433 805-36 (Tourist-Information Staufen), 07633 805-30 (Dr. Diedrichs) oder E-Mail (dr.diedrichs@staufen.de). Die reservierten Karten werden an der Abendkasse ausgegeben.


Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Sulzburg.
Die Lesung wird unterstützt von Seidenspur e.V.